Tröstliches.
Für alle, die das Vergnügen haben, in naher oder etwas fernerer Zukunft auf den LWV zu treffen.
Man munkelt ja, dass immer, wenn ich nicht dabei bin, sich das Kind wie ein Blümchen benimmt. Nicht schreit und strampelt, nicht mit Schaufeln haut oder mit Stiefeln auf nackte Muttifüße tritt. Nicht mit Telefonen auf Papas Stirn zielt. Nichts runterschmeisst, um darauf herumzutrampeln. Keine Stöcke in Hundeohren steckt.
Nun ja, schön für all jene, die den Eineinhalbjährigen [seit einer Woche; gratuliere!] so nicht kennen.
Für die, die sich möglicherweise wundern, warum dieses dermaßen ruhige und ausgeglichene Vorzeigebaby (hüstel) neuerdings leicht gemeingefährlich daherkommt, hab ich eine Erklärung (recherchiert):
"Die so genannten "Trotzphasen" gehören zur Entwicklung eines gesunden Menschen dazu. Tatsächlich muss man diese Phasen eigentlich als "Autonomiephasen" bezeichnen, da nicht der Widerstand und Trotz das Wesentliche dieser Entwicklungsphase ist, sondern die Ablösung und das Selbstständigwerden des Kindes. Für das Kind sind dies ganz wichtige Meilensteine in seiner Entwicklung.
Die Trotzphase beginnt ca. am Ende des 2. Lebensjahres und ist dadurch gekennzeichnet, dass das Kind immer stärker nach Autonomie strebt und versucht, sich aus der Verschmelzung mit den Eltern. Das, was vorher das "Wir machen es miteinander" war, wird jetzt zu einem "Ich will das selber Tun!". Der eigene Wille des Kindes erwacht und zeigt sich immer häufiger in Form von Trotzreaktionen und Gehorsamsverweigerungen. Das bedeutet aber nicht, dass sich das Kind primär gegen seine Eltern wendet, sondern vielmehr, dass das Kind an seiner eigenen Unzulänglichkeit, seine Wünsche auf die ihm eigene Weise erfüllen zu können, leidet.
Diese Begrenzungen und Einschränkungen des eigenen Weges führen das Kind in eine tiefe Verzweiflung, da sein Wille nicht mit dem der Eltern oder mit den eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten übereinstimmt. Die Welt scheint für das Kind auseinander zu driften, und alle bislang gewohnten Ordnungen lösen sich auf. Ein inneres Chaos von Gefühlen stellt sich ein, dem das Kind nicht Herr werden oder sich entziehen kann. Dementsprechend "chaotisch" sind in solchen Ausnahmesituationen die Reaktionen.
Diese ersten Erfahrungen mit dem eigenen Willen und den damit verbundenen aggressiven Gefühlen werden zu Grunderfahrungen, die das weitere Leben des Kindes er- oder entmutigend prägen werden. Die Kinder erlernen im Idealfall:
– es ist gut, einen eigenen Willen zu entwickeln. Dadurch wird es fähig, eigene Entscheidungen zu treffen und zu erproben und zu erkennen, welche Konsequenzen diese Entscheidungen nach sich ziehen.
– Konfliktsituationen nichts wirklich Bedrohliches sind und zum Leben dazugehören und Lösungen gefunden werden können.
– Konfliktsituationen innere und äußere Spannungen erzeugen. Diese Spannungen sind aber auszuhalten und müssen nicht durch andere Tätigkeiten (z.B. Essen) abreagiert oder sogar verdrängt werden.
– es seine Gefühle äußern und zum Ausdruck bringen kann und seine Eltern halten das aus, bewerten sie nicht, sondern helfen ihm dabei, sie zunehmend in Worte zu fassen und auszudrücken. "Auch wenn ich um mich schlage, schreie und tobe, werde ich von meinen Eltern gemocht."
– bewältigte Konflikte Ereignisse sind, auf die man gemeinsam zurückblicken kann und welche die Beziehung vertiefen.
– es macht Spaß, eigene Erfahrungen zu sammeln, auch wenn manchmal Schmerz und Enttäuschung mit dabei sind. Das Kind verzweifelt nicht, da es von seinen Eltern unterstützt wird, es immer wieder neu zu versuchen.
Nun wird es vielleicht auch leichter verständlich, dass es in einer solchen Entwicklungsphase keinen Sinn hat, zusätzlich irgendwelche Begrenzungen zu setzen oder das Kind durch weitere Einschränkungen zu bestrafen. Der Schmerz und die damit verbundene Reaktion würde damit nur noch verstärkt werden. Sehr viel wichtiger ist es zu verstehen, dass das Kind in dieser für es so unsicheren Situation unbedingt sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht; gerade, da es Probleme mit der Anpassung an die Welt hat. Vielmehr lohnt es sich, diesen schwierigen Zeitabschnitt aktiv durchzustehen."
Fazit: Werni leidet unter seiner eigenen Unzulänglichkeit. Ihn also bitte ganz groß liebhaben.