Vom Amtsschimmel geritten

Nachdem wir dem Nachfolgesyndikat des Sozialamtes (a.k.a. Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsgemeinschaft Leipzig, etc.) nun schon seit dem Sommer versuchen klarzumachen, dass Jenni S-T-U-D-E-N-T-I-N ist, und darum im Regelfall kein Hartz 4 a.k.a. Alg II a.k.a. Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach SGB II bezieht, hat unser Ausflug in die Welt der Bürokratie einen neuen Höhepunkt erreicht.

Ich fasse noch mal kurz zusammen:

  • Wir haben schriftlich einen Antrag auf Erstausstattung bei Neugeborenen bei der ARGE gestellt.

  • Die ARGE hat schriftlich verlauten lassen, dass sie schriftliche Anträge schon mal gar nicht bearbeitet.

  • Wir sind persönlich bei der ARGE vorbeigegangen. Dort berichtete man uns, dass man nicht zuständig sei.

  • Wir sind bei der BA vorbeigegangen, wo man darauf bestand, dass Jenni Hartz 4 beantragen müsse, um überhaupt als Fall bearbeitet werden zu können. Nach einigem Hin und Her haben wir dann einen Termin bei einer Sachbearbeiterin der „Leistungsabteilung“ bekommen.

  • Diesen Termin haben wir wahrgenommen und doch zähneknirschend o.g. Antrag ausgefüllt. Die Sachbearbeiterin wusste ebensowenig darüber Bescheid, wie mit der – zugegebenermaßen sehr seltenen – Situation einer Schwangerschaft (oder war wieder das S-T-U-D-I-U-M das Problem? beides?) umzugehen ist, wie ihre „Wir wollen doch sachlich bleiben“-Vorgängerin.

  • Es folgte ein „reger“ Austausch per (Trommelwirbel, bitte!) E-MAIL mit einer anderen Sachbearbeiterin (nennen wir sie doch einfach mal „Helga“) von der (wieder Trommelwirbel!) ARGE (oder doch der BA? Die E-MAIL-Adresse lässt zumindest auf ARGE schließen). Einige fehlende Dinge sollten wir noch schriftlich nachreichen und taten das dann sogar persönlich.

  • Wir freuten uns, mit Helga endlich jemanden gefunden zu haben, der sich verantwortlich zeigt, oder zumindest immer ein fester Ansprechpartner ist. Und dann, drei Tage vor Weihnachten, schrieb sie einen Brief, in dem sie um Frau Illners Kontoverbindung bat. Jenni freute sich, ich war galgenhumoristisch: „Die haben den Antrag sicherlich noch nicht einmal bearbeitet und brauchen nur deine Kontodaten, damit alle Voraussetzungen für den Beginn der Bearbeitung erfüllt sind. :-P“

Gestern zeigte sich dann, dass das Syndikat immer einen dritten Weg findet. Nein, es gab kein Geld. Und nein, mit den Kontodaten waren nicht erst alle Daten da, um mit der Bearbeitung zu beginnen:

WIR SOLLEN EINFACH EINEN NEUEN ANTRAG STELLEN.

Da schicken die doch tatsächlich, fast auf den Tag genau ein Vierteljahr, nachdem wir genau diesen Antrag ausgefüllt hatten und fast ein halbes Jahr nach der ersten Kontaktaufnahme, einfach noch so ein rotes Zettelchen mit der Bitte es binnen zehn Tagen ausgefüllt zurückzusenden und alle nötigen Unterlagen gleich vorbeizubringen. Noch dazu steht in dem Brief, den natürlich kein namentlich erwähnter Sachbearbeiter schrieb (wohl aber irgendjemand unterschrieb!), dass dies alles nötig sei, weil man die laufenden Alg-II-Zahlungen, die wir nie beantragen wollten und natürlich nie bekommen haben, sonst einstellen würde.

*schrei*

Die wollen sich mit solchen Maßnahmen wahrscheinlich selbst die Arbeitsplätze sichern, anders kann ich mir nicht erklären, was dort eigentlich abläuft. Ich würde ja gern glauben, dass wir da ein „trauriger Einzelfall“ sind, aber komischerweise habe ich etwas ähnliches schonmal aus nächster Nähe miterlebt.

Verfasst von rob am Dienstag, dem 8. Januar 2008 um 11:48 Uhr.

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